16. Januar 2026

Im „diFF“ - Projekt werden Sechstklässler zu Experten individuell gewählter Themen
Havixbeck. Das Schulministerium gibt vor, was Schülerinnen und Schüler lernen müssen - fast immer! Denn auch Schulen haben Freiräume, die die Anne-Frank-Gesamtschule nutzt und ihren Lernenden anbietet: individualisiertes, selbstgesteuertes Lernen mit Inhalten, die sich Schülerinnen und Schüler selbst aussuchen. Auf einem Elternabend wurden interessierte Eltern von Sechstklässlern über das so genannte diagnosebasierte individualisierte Fordern und Fördern, kurz „diFF“-Projekt, informiert. Erstmalig nehmen in diesem Schuljahr nicht nur einzelne Schüler, sondern zwei vollständige Klassen an dieser besonderen Unterrichtsform teil. Das Ergebnis dieses Pilotversuchs in Billerbeck und Havixbeck wird anschließend in der Lehrer- und Schulkonferenz vorgestellt und diskutiert. Stimmen diese zu, gehört das „diFF“ in Havixbeck und Billerbeck zum Schulprogramm für alle Sechstklässler.
„Im projektorientierten Arbeiten liegt großes Potential“, sagt Franziska Trappehl, die das diFF-Projekt in Kooperation mit der Universität Münster gemeinsam mit ihrem Kollegen Roman Hinze seit rund vier Jahren im Rahmen der Begabungsförderung leitet. „Die Kinder lernen, sich zu organisieren und strukturiert zu arbeiten. Sie erkennen ihre Stärken und erwerben letztlich Kompetenzen, die sie ihr ganzes Schulleben und darüber hinaus brauchen.“
Ein halbes Jahr lang erarbeiten die Schülerinnen und Schüler Themen, die in eine kleine Facharbeit, ein größeres Projekt oder ein selbst erstelltes Objekt münden. „Die Themen sind so vielfältig wie unsere Schülerinnen und Schüler“, sagt Franziska Trappehl. „In einem früheren Projekt, erforschte ein Schüler, wie sich die Ernährung auf die Eier seiner Hühner auswirkte, eine andere Schülerin hat einen Podcast über die Kommunikation von Walen aufgenommen. Es ist auch möglich, einen Ratgeber zu schreiben oder einen Film zu drehen“. Die meisten Kinder hätten bisher eine kleine Facharbeit geschrieben, die sie dann stolz in ihren Händen hielten. „Wenn sie das dann öffentlich im Vortrag präsentieren, ist das ein besonderer Moment, auch für Sie als Eltern“, sagt Roman Hinze, der das Projekt gemeinsam mit Trappehl und zwei weiteren Lehrkräften durchführt.
Ein Fragebogen zur Selbstdiagnose, Checklisten, besondere Zeitplanung und ein Lerntagebuch soll den Schülerinnen und Schülern helfen, sich zu organisieren und das Projekt über die vielen Monate hinweg kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Für Schulleiter Dr. Torsten Habbel ist das „diFF-Projekt“ ein wichtiger Bestandteil im Bereich der Schulentwicklung. „Das diFF-Projekt stärkt Kompetenzen, die wir als Gesellschaft in Zukunft brauchen: Kreativität, Kollaboration, Kommunikation und kritisches Denken. Und: Wir knüpfen unmittelbar an die Empfehlungen der Jury des Deutschen Schulpreises an und entwickeln uns weiter.“
Auch bei den Eltern kam das Projekt sehr gut an: „Ich finde diese stärkenbasierte Förderung sehr gut“, sagt Markus Pander, Vater einer Sechstklässlerin. „So etwas hätte ich mir als Schüler auch gewünscht“, ergänzt Steffen Kroll, Vater eines Sohnes. „Für die Entwicklung der Kinder ist das großartig.“ Sarah Fehmer schätzt vor allem die Herausforderung: „Ich glaube, dass die Kinder an sich selber wachsen, auch diejenigen, die es sich zunächst nicht zutrauen.“
Foto: Inga Oskamp, Franziska Trappehl (v. li.) und Roman Hinze informierten Eltern von Sechstklässlern über das „diFF-Projekt“.